Geschichte

Les Saintes-Maries-de-la-Mer verdankt seinen Namen einer alten christlichen Legende. Rund um das Jahr 40 soll ein zerbrechlicher Kahn aus dem Heiligen Land kommend hier gestrandet sein. An Bord waren unter anderem die in ihrer Heimat als Christen verfolgten Frauen Maria Salome (Mutter der Apostel Johannes und Jakobus des Älteren), Maria Jakobäa (Mutter des Apostels Jakobus des Jüngeren) sowie eine vermutlich dunkelhäutige Dienerin namens Sara.

Die beiden Marien gründeten eine frühe christliche Gemeinde und wurden bei ihrer Missionstätigkeit von Sara unterstützt, indem sie durch Betteln für den gemeinsamen Lebensunterhalt sorgte. Alle drei Frauen wurden später heilig gesprochen, die „Schwarze Sara“ (Sara-la-Kâli) gilt als Schutzpatronin der Roma und Sinti (Zigeuner).

Die heiligen Marien spielten fortan eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Siedlung, die erstmals im 4. Jahrhundert als Sancta Maria de Ratis erwähnt wurde. Césaire von Arles vermachte das Dorf 542 einem Kloster, das ihm den Namen Saintes Maries de la Barque gab.

In den Jahren 859 und 860 drangen Wikinger von hier aus über die Rhône ins Landesinnere vor und 869 diente der Ort den Sarazenen als Einfallstor für ihre Plünderung von Arles. Also wurde im 11. und 12. Jahrhundert die noch heute bestehende Wehrkirche errichtet und der Name Nôtre Dame de la Mer gebräuchlich.

Als König René im Jahre 1448 Ausgrabungen im Fundament der Kirche veranlasste, fand man mehrere zu einem Kreuz angeordnete Totenköpfe sowie zwei Frauenskelette und sah darin die Reliquien der Heiligen Maria Salome und Maria Jakobäa. Dies löste einen intensiven Marienkult aus und machte Saintes-Maries-de-la-Mer zu einem Wallfahrtsort für Pilger aus nah und fern.

Während der Französischen Revolution wurde der Marienkult verboten und die Kirche mit der gesamten Stadtmauer schwer beschädigt. Die Kirchenglocken wurden zur Herstellung von Kanonen eingeschmolzen und erst Jahre später wieder ersetzt. Die Kirche selbst wurde im Jahre 1873 restauriert, nachdem das Städtchen 1838 seinen heutigen Namen angenommen hatte.

Zweimal jährlich ist Saintes-Maries-de-la-Mer auch heute noch ein bedeutender Wallfahrtsort – vor allem für Roma und Sinti. Ansonsten beherrschen aber Touristen das Straßenbild. Eingeleitet wurde dieser Trend in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, als Saintes-Maries-de-la-Mer zu einem Geheimtipp der französischen Bohème und der europäischen Beatniks wurde.

Zwischen 1960 und 2000 stieg die Einwohnerzahl von 680 auf 2500 Personen, und im Sommer können sich heute bis zu 50.000 Menschen in den engen Gässchen tummeln. Entsprechend umfangreich erfolgte der Ausbau der touristischen Infrastruktur mit Hotels, Restaurants, Appartementanlagen, Sportboothafen und vielem mehr.